12. 04. 2008 - Heute Morgen schlug ich völlig ahnungslos meine Online Zeitung auf, in der Erwartung der gewohnten Informationslektüre des täglichen Miteinanders. Kaum hatte ich die erste Seite per Mausklick zum Erscheinen gebracht, konnte ich staunend lesen dass der Nobelpreisträger für angewandte Lebensphilosophie einen Auszug aus seinem prämierten Bestseller eingestellt hat.
Angeregt durch so viel zu erwartende Leseglücksmomente habe ich erst mal noch ne frische Kanne Kaffe gebrüht, um der zu erwartenden Metamorphose vom schlechtem zum guten Denken einigermaßen Herr zu werden.
Ein wenig erinnerte es mich an die Verwandlungssagen des Antoninus Liberalis weil es den Ursprung der Wandlungen im Dunkel lässt, dafür aber das nachher umso heller in Erscheinung tritt.
Nach gut 4 Seiten Lektüre suchte ich krampfhaft nun die Erklärung für die Aneinanderreihung der vielen Buchstaben, die mir aber offensichtlich im Rahmen der vollzogenen Metamorphose verloren gegangen war. Erst mehrmaliges Lesen unter Zuhilfenahme der philosophischen Denkprozesstaste meines Computers (ist eine Neuerung seit der CEBIT, bei der das Kleinhirn über eine Infrarot Schnittstelle mit einem Denkwandler verbunden wird) eröffnete mir die neuen Perspektiven und ließ Adrenalin in meine Gehirnwindungen schießen.
Kaum hatte ich mein erste Freude im Glückspeicher meines Computers festgehalten, meldete mein Antiviren Programm einen Angriff eines Denkwandlerbeeinflussers. Da ich einigermaßen Computer erfahren bin konnte ich den Angreifer im der Prozessliste der Infrarotschnittstelle des Denkwandlers ausmachen und sofort isolieren.
In den meisten Fällen merkt der unbedarfte Nutzer gar nicht, wie seine Denkprozesse plötzlich zur Vervielfältigung von Perspektiv-Verzerrungen eingesetzt werden.
Der ahnungslose Nutzer empfindet Freude und Vertrauen, obwohl er weinend vor dem Computer sitzt.
Mittlerweile ist die eigens dafür entwickelte Anti-Verzerrungs-Software so weit ausgereift dass man heute wieder gefahrlos surfen kann.
Über die bereits genannte Infrarot Schnittstelle wird die Software im Schlaf jede Nacht neu an das Kleinhirn überspielt, und offensichtlich verzerrte Perspektivdarstellungen bereinigt.
So kann ich nun jeden Morgen völlig unbedarft auch solche wichtigen Werke eines Nobelpreisträgers lesen und erkennen, ohne in eine Denkfallenvorrichtung zu geraten!
Gott sei Dank denken andere mit!
04.05.2009 - Kaum hat man den großen Wohnblock betreten steigt einem ein beißender und übel riechender Geruch, in die feine Wohlstandsnase. Egal wie man die innen liegenden Geruchssensoren auch dreht und wendet, es wird nicht besser.
Unter Einsatz aller Augen die man so hat wird dann versucht der Ursache der Dissonanz auf die Spur zu kommen. Aber egal wie man es dreht oder wendet, es ist äußerst schwierig.
Man stelle sich vor dass man in einem 20-stöckigen Wohnblock im Erdgeschoss vor knapp 50 Klingelschildern steht, auf denen überall der Name Heinrich Müller steht. In der Erwartung dass es sich um einen Scherz handelt fährt der mutige Besucher in den 1. Stock und geht von Tür zu Tür. Aber auch hier steht überall Heinrich Müller!
Von leichter Panik gepackt muss nun aber der Inhalt geprüft werden und als der Besucher nach dem 6. klingeln zum 6. Mal einem Heinrich Müller gegenüber steht, macht sich langsam Verzweiflung breit. Nur um persönliche Verhaltensschäden auszuschließen testet der Besucher Stockwerk 2 und 3 und lernt 14 mal Herrn Heinrich Müller kennen!
Als der Notarzt vor der Tür eintrifft und den am Boden liegenden, nach Luft japsenden Besucher auf die Trage hievt, kann sich noch keiner erklären was wohl die Ursache der Panikattacke ist! Erst der herbeigeeilte Hausmeister kann den Vorfall aufklären.
Er entschuldigte sich, dass das Hinweisschild am Hauseingang, dass es sich um ein Vermietermessihaus handele, gerade beim vergolden war, und somit der Besucher völlig ahnungslos in die Vermittermessianlage lief. Angesichts der fehlenden psychologisch wichtigen Information sind dann Kurzzeitschäden beim ahnungslosen Besucher nicht auszuschließen!
Allerdings sind solche Vermietermessiwohnblocks mit über 50 Heinrich Müller auch noch selten, aber leider mit zunehmender Tendenz!
Wir hoffen auf baldige Genesung des Besuchers und das Warnschild hängt nun am Eingang!